Als Antriebsformel bezeichnet man eine Schreibweise zur Kenntlichmachung der Antriebsart von einem Kraftfahrzeug mit vier oder mehr Rädern. Um zu verdeutlichen wie viele der Achsen bzw. der Räder angetrieben sind, hat sich folgende Schreibweise etabliert:
Gängige Antriebsformeln
Der Standard-PKW hat die Antriebformel 4×2 (ganz gleich ob Front- oder Heckantrieb), ein Allrad-PKW 4×4
Der Allrad-Geländewagen 4×4 (4WD = englisch: four wheel drive)
Der Standard-LKW hat 4×2
Ein dreiachsiger LKW mit einer gelenkten Achse und zwei hinteren Antriebsachsen hat 6×4
Ein dreiachsig (auf alle sechs Räder) angetriebene Baustellen-Lkw 6×6
Ein Baustellen-Lkw mit allen vier angetriebenen Achsen 8×8
Sattelzugmaschinen in Großbritannien haben meist 6×(2)2, also gelenkte Vorderachse, hintere gelenkte Vorlaufachse und Antriebsachse
Ein normaler Stadtbus mit vier Rädern hat ebenfalls 4×2, mit zwei angetriebenen Hinterachsen 6×4 (letztere heute jedoch selten)
Der Dreiachs-Reisebus mit nur einer angetriebenen Achse entsprechend 6×2, mit zwei hinteren angetriebenen Achsen 6×4
Die meisten Militärfahrzeuge besitzen Allradantrieb, hier sind bei LKW und Panzerwagen neben dem 4×4 öfter auch die Antriebsformeln 6×6 bzw. 8×8 zu finden. Eine Besonderheit stellen hier der Oshkosh-LKW vom Typ HEMTT und der Mowag Piranha II-Panzerwagen der US-Army dar, diese gibt es auch in einer 10×10-Version.
Ausnahmefälle bei Antriebsformeln
(Anmerkung: Die Zahlen in Klammer bezeichnen immer NICHT angetriebene hintere Räder)
Geländewagen mit 6×6-Antrieb (z.B. Land-Rover, Range-Rover oder Chevrolet-Pickups umgebaut auf 6×6 oder ein 6×6-Quad von Polaris)
Schwerlastzugmaschinen mit 8×6, 10×8, seltener sogar 10×10
Gelenkbusse meistens 6×(2)2 bei Hinterradantrieb ("Schub-Gelenkbus")
Historische Gelenkbusse mit Antriebsachse in der Mitte vor dem Gelenk ("Zug-Gelenkbus") 6×2(2)
Historische Gelenkbusse mit 2-Achsigem Nachäufer nach dem Gelenk 8×2(4)
Sonderformen von Antriebsformeln
6×2 - zwei vordere gelenkte Achsen und Antriebsachse hinten
8×4 - zwei vordere gelenkte Achsen und zwei Antriebsachsen hinten
6×2(2) - vordere gelenkte Achse, hintere Antriebsachse mit dahinterliegender ungelenkter (bzw. mitlenkender) Nachlaufachse - oder 6×(2)2 - vordere gelenkte Achse, hintere gelenkte Vorlaufachse mit dahinterliegender Antriebsachse
8×2(2) - zwei vordere gelenkte Achsen, hintere Antriebsachse mit dahinterliegender mitlenkender Nachlaufachse
8×(2)4 - vordere gelenkte Achse, hintere mitlenkende Vorlaufachse mit dahinterliegenden zwei Antriebsachsen
Die letzteren sechs Bauarten waren meistens (und übrigens gar nicht so selten) bei älteren italienischen Fiat oder Lancia mit besonders hoher Nutzlast zu finden, die ersten beiden davon auch bei englischen Foden- oder ERF sowie den Saurer-LKW aus der Schweiz. Die Ausführung als 6×2 mit zwei geklenkten Vorderachsen fand sich außerdem von 1958-1961 auch beim LP333 von Mercedes-Benz der mit dem Spitznamen "Tausendfüßler" weithin bekannt wurde und selbst heute noch vielen ein Begriff ist. Seit ca. 15-20 Jahren sind diese Bauarten jedoch auch in Italien wegen der bis dato weit fortgeschrittenen Standardisierung der Nutzfahrzeuge bei neu hergestellten Lastwagen praktisch nicht mehr gebräuchlich.
Als Kuriosum am Rande sei noch erwähnt:
Lancia Esagamma Flugfeld-Tankwagen von 1965 mit Antriebsformel 10×4(2)!
(Zwei vordere gelenkte Achsen, zwei hintere Antriebsachsen und dahinterliegende mitlenkende Nachlaufachse)
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