Sudan
Die Republik Sudan ist ein Staat in Nordost-Afrika, der am Roten Meer liegt und an Ägypten, Libyen, den Tschad, die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo, Uganda, Kenia, Äthiopien und Eritrea grenzt. Der Sudan ist das flächengrößte Land Afrikas und Khartum ist seine Hauptstadt.
Geographie
Ein Teil des Staates Sudan ist Teil der Großlandschaft Sudan.
Durch den Sudan verlaufen die Nordäquatorialschwelle und die Zentralafrikanische Schwelle. Weitere geographische Objekte, an denen der Sudan Anteil hat, sind die Nubische Wüste, die Sahelzone und der Nil. Der höchste Berg ist der Kinyeti (3.187 m ü. NN).
Wichtige Städte
Die Städte mit über einer Million Einwohner (Stand 1. Januar 2005) sind Omdurman (2.809.445 Einwohner), Khartum (1.974.647 Einwohner) und Bahri (1.530.443 Einwohner), die sich in enger Nachbarschaft am Zusammenfluss des Weißen Nils mit dem Blauen Nil befinden. Alle anderen Städte bleiben unter der Grenze von 500.000 Einwohnern. Unverzichtbar für den Außenhandel ist die Stadt Bur Sudan, die über den einzigen Meerhafen des Landes verfügt. Entlang des Nils findet man noch folgende größere Städte von Nord nach Süd: Wadi Halfa, Atbara, Kusti, Malakal, Bur und Dschuba.
Bevölkerung
Der Sudan hat eine Bevölkerung von 40.187.486 (Stand: Juli 2005, geschätzt) und diese wächst mit 2,6 Prozent pro Jahr (Stand: 2005). Das Durchschnittsalter der Bevölkerung beträgt 18 Jahre (Stand: 2005) und die Lebenserwartung 58,54 Jahre (Stand: 2005).
Lebenserwartungen, BSP/BIP pro Kopf
Die Lebenserwartung beträgt bei Männern 54,2 Jahre und bei Frauen 58 Jahre.
Das Bruttonationaleinkommen (BSP) pro Kopf beträgt 383 Euro (Stand 2003) und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf beträgt 2.246 Dollar (Stand 2005) (rund 1.826 Euro).
Sprachen
Wichtigste Sprachen in Reihenfolge der Sprecherzahl: Arabisch (Sudanesisch-Arabisch; wird vor allem im Norden gesprochen), Nuer-Dinka (im Süden von 17 % der Gesamtbevölkerung gesprochen), Nubisch (am mittleren Nil von 9 % der Bevölkerung gesprochen), Bedscha (im Nordosten von 6 % der Bevölkerung gesprochen), Azande (im Südwesten von 3 % der Bevölkerung gesprochen), Bari (im Südosten von 2 % der Bevölkerung gesprochen). Eine kleine Bevölkerungsgruppe spricht Ndogo.
Religionen
Der Islam ist in Sudan Staatsreligion. 70 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, 25 % Animisten und 5 % Christen. Die Nichtmuslime leben hauptsächlich im Süden des Landes, der seit 1956 für die eigene Unabhängigkeit kämpft. Seit 2005 ist ein Friedensprozess eingeleitet worden, um den Krieg zu beenden.
Zusammensetzung
52 % der Bevölkerung sind Schwarzafrikaner, 39 % sind arabischer Abstammung, 6 % gehören zum Volk der Beja, 2 % sind Ausländer (meist Flüchtlinge der diversen Kriege in Afrika) und 1 % anderer Zugehörigkeit.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Sudans
Die Geschichte Sudans reicht bis in die Pharaonenzeit zurück. Nach der Christianisierung im 6. Jahrhundert wird der Sudan - mit Ausnahme des Südens - zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert islamisiert. 1821 fällt das Land unter türkisch-ägyptische Herrschaft und wird nach einer kurzen Periode der Unabhängigkeit, infolge des Mahdi-Aufstands und Mahdi Reichs in den Jahren 1881 bis 1898, anglo-ägyptisches Kondominium. Faktisch bleibt es bis 1953 britische Kolonie. Nach einer Phase der vorbereitenden Machtübergabe wird der Sudan 1956 unabhängig. Bis 1972 herrscht ein Bürgerkrieg, ausgelößt durch die Vormachtstellung des arabisch-moslimischen Nordens über den afrikanischen, christlich-animistischen Süden und als weitreichende Folge der Nord-Südtrennung während der Kolonialzeit. Die deutlich werdende ökonomische Benachteiligung des nun eigentlich autonomen Süd-Sudan und die Einführung der Scharia im gesamten Sudan führt ein Jahrzehnt nach Friedensbeschluß zum erneuten Kriegsausbruch. Von 1983 bis 2005 befindet sich das Land praktisch ununterbrochen im Bürgerkrieg. 2005 wird ein Friedensabkommen zwischen der Regierung im Khartum und der SPLA, der südsudanesischen Rebellengruppe, unterzeichnet. Es sieht ein Referendum über die Unabhängigkeit des Süd-Sudan für 2011 vor.
Politik
Der Sudan ist seit dem 1. Januar 1956 eine unabhängige Republik mit einer demokratischen Verfassung, de facto aber von 19581964 und seit 1989 eine Militärdiktatur mit Präsidialcharakter. Der ehemalige Staatsideologe Hassan al-Turabi war Vorsitzender des sudanesischen Zweiges der Muslimbruderschaft.
Gebiete des Süd-Sudan
Seit etwa 1955 herrscht im Süd-Sudan Bürgerkrieg um dessen Unabhängigkeit/Selbstbestimmung. Dieser Konflikt beherrscht die Innenpolitik wesentlich, da dadurch wertvolle Ressourcen gebunden werden, die der weiteren Entwicklung des Landes fehlen. Im Juni 2002 wurden, unter Mitwirkung des UN-Sonderbeauftragten John C. Danforth, in Machakos (Kenia) zwischen der Regierung und der Sudanese People's Liberation Movement/Army (SPLM/A) Friedensverhandlungen aufgenommen, welche auch tatsächlich Teilerfolge erzielen konnten. So einigte man sich unter anderem darauf, dem Süden für eine Dauer von 6 Jahren ein Selbstbestimmungsrecht einzuräumen und anschließend ein Referendum durchzuführen. Eine der Ursachen für den Krieg ist der Erdölreichtum verschiedener Südprovinzen. Die chinesischen Bemühungen Erdöl aus Afrika zu erhalten, fokussieren sich auf den Sudan.
Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle die Sklaverei im Sudan. Sie hat in dieser Region eine lange Tradition und betrifft die schwarze, meist christliche Bevölkerung des Südens, die von arabisch-muslimischen Nomaden, die als Paramilitärs von Khartum benutzt werden, versklavt und verkauft werden.
Darfur
Darfur wurde 2003 zum Schauplatz einer blutigen Rebellion gegen die arabisch-dominierte sudanesische Regierung mit zwei (schwarzafrikanischen) Rebellengruppen der Sudanesischen Befreiungsarmee (Sudan Liberation Army, SLA) und der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (Justice and Equality Movement, Jem), die die Regierung beschuldigen, Afrikaner zugunsten der Araber zu unterdrücken. Im Gegenzug begann die Regierung einen Feldzug mit Luftbombardements und Bodenangriffen, durchgeführt von einer arabischen Miliz, den Dschandschawid. Die sudanesische Regierung wies jedoch eine Mitschuld an den Verbrechen muslimischer Milizen in Darfur zurück.
Am 8. April 2004 wurde, aufgrund des internationalen Drucks, ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, für dessen Einhaltung die Friedensmission African Union Mission in Sudan (AMIS) mit logistischer Unterstützung der Nato sorgen soll.
Administrative Gliederung
Der Sudan ist in 26 Bundesstaaten (wilayat) unterteilt. Diese teilen sich wiederum in 66 Provinzen und 218 Bezirke.
Infrastruktur
Das Straßennetz umfasst 11.900 Kilometer, wovon 4.320 Kilometer asphaltiert sind.
Wirtschaft
Öl- und Gas-Konzessionen im Sudan.
Der Süden des Landes verfügt über reichhaltige Bodenschätze, wie zum Beispiel Erdöl, Gold, Diamanten und Uran. Allein die Erdölvorkommen werden nach US-amerikanischen Schätzungen aus den 1990er Jahren auf rund 3 Milliarden Barrel beziffert. Bisher sind die meisten dieser Bodenschätze noch nicht erschlossen teilweise sind sogar die Konzessionen noch nicht vergeben.
Haupt-Export-Länder (Stand 2004) sind China (64,3 %), Japan (13,8 %) und Saudi Arabien (3,7 %).
Haupt-Import-Länder (Stand 2004) sind Saudi-Arabien (11,7 %), China (10,7 %), die VAE (6,2 %), Ägypten (5,2 %), Deutschland (4,9 %), Indien (4,6 %), Australien (4,1 %) und Großbritannien (4 %).
Geschichte
Anfang der 1990er-Jahre spaltete sich die SPLA in drei Parteien:
• die SPLA Torit Partei unter John Garang, die militanteste;
• die SPLA-Bahr-Al-Ghazal-Partei unter Carabino Kuany Bol
• die Südsudanesische Unabhängigkeitbewegung unter Rick Machar.
Ihr Anführer von 1983 bis 2005 war John Garang, ein Dinka. Er erhielt eine wissenschaftliche und militärische Ausbildung in den USA, wo er auch promovierte.
Diese internen Konflikte erschwerten Vermittlungen mit der Regierung. Im April 1997 schlossen die Armee der südsudanesische Unabhängigkeitsbewegung und einige kleinere Parteien einen separaten Friedensvertrag mit Khartum und bildeten die Vereinigte demokratische Heilsfront (UDSF).
Die SPLA bleibt die wichtigste Gruppe des Südens als Verhandlungspartner für eine Beendigung des Krieges. Verhandlungen über ein Ende des Bürgerkrieges mit der Regierung endeten jedoch ergebnislos, 2002 wurde jedoch ein sechs Monate langer Waffenstillstand und eine entmilitarisierte Zone ausgehandelt.
Im Februar 2003 begann eine Rebellion in Nord-Darfur, an der sich die SPLA beteiligte. Als Ursache der Rebellion wird die Verfolgung der schwarzen Bevölkerung durch muslimische Nomaden, Reitermilizen, zum Beispiel die Dschandschawid, angegeben. Die sudanesische Regierung räumt ein, dass sie den Kampf gegen die Sudanesische Befreiungsarmee nur mit Hilfe der Milizen führen kann.
Am 9. Januar 2005 schloss die SPLA einen Friedensvertrag mit der sudanesischen Regierung. Er sieht neben der Entwaffnung der Rebellen und dessen Integration in die reguläre Armee ein Referendum im Jahr 2011 vor, bei dem entschieden werden soll, ob der Süden im Gesamtstaatsgebiet verbleibt. Überwacht werden soll der Friedensvertag von der UN mit der Mission UNMIS.
Der Sudanesische Dinar ist die Währung des Sudan.
Der Dinar löste 1992 das Sudanesische Pfund ab, und zwar im Verhältnis 10 Pfund = 1 Dinar. Die alten Pfund-Noten, welche ursprünglich in 100 Piaster unterteilt waren, zirkulierten nach der Umstellung noch eine Weile weiter. Der Dinar besitzt hingegen keine Unterteilung. Zurzeit zirkulieren Scheine zu 50, 100, 200, 500, 1000, 2000 und 5000 Dinar.
Bis heute werden allerdings Preise häufig noch in Pfund (Guinea) genannt.
Sudansprachen
Die Sudansprachen sind alle afrikanischen Sprachen, die in der Sudanzone gesprochen werden. Sie können sehr unterschiedlich sein und werden daher unterschieden in:
• westliche Sudansprachen mit:
• Mande-Sprachen
• Semibantu
• Togo-Restsprachen
• Cross-River-Sprachen
• Platoide Sprachen
• Nupoide Sprachen
• Edoide Sprachen
• Idomoide Sprachen
• Defoide Sprachen
• Igboide Sprachen
• Kainji
• zentrale Sudansprachen mit:
• Tschadsprachen
• östliche Sudansprachen mit:
• Nilotischen Sprachen
• Hamito-Nilotischen-Sprachen.