Brasilien
Brasilien (portugiesisch Brasil) ist der fünftgrößte Staat der Erde und der bevölkerungsreichste Südamerikas. Er nimmt über die Hälfte des Kontinents ein. Das Land grenzt (von Nordosten gegen den Uhrzeigersinn) an Französisch-Guayana, Suriname, Guyana, Venezuela, Kolumbien, Peru, Bolivien, Paraguay, Argentinien, Uruguay und den südlichen Atlantik. Damit hat es mit jedem südamerikanischen Land außer Chile und Ecuador eine direkte Grenze.
Geographie
Brasilien ist geprägt durch die ausgedehnten Regenwälder des Amazonas-Tieflands im Norden und Hochebenen, Hügeln und Gebirge im Süden. Während die landwirtschaftliche Basis des Landes in den Savannengebieten des Mittelwestens liegt, lebt der Großteil der Bevölkerung in der Nähe der Atlantikküste, wo sich auch fast alle Großstädte befinden.
Wichtige Städte
Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): São Paulo ca. 19 Mio. Einwohner, Rio de Janeiro 6.023.742 Einwohner, Salvador da Bahia 2.711.903 Einwohner, Belo Horizonte 2.373.255 Einwohner und Fortaleza 2.311.911 Einwohner. Die Hauptstadt Brasília hat knapp 200.000 Einwohner und wurde in den 1960er Jahren innerhalb von drei Jahren als Planhauptstadt erbaut. Die Metropolregion Brasília zählt etwa 2,2 Millionen Menschen.
Höchste Berge
Die fünf höchsten Berge des Landes sind der Pico da Neblina (mit 3.014 Metern Höhe), der Pico 31 de Março (2.992 m), der Monte Roraima (2.772 m), Pedra de Mina (2.770 m) und Pico Padauari (2.755 m). Die drei höchsten Erhebungen und der Pico Padauari liegen allesamt im Bergland von Guyana im Norden Brasiliens.
Gewässer
Die wichtigsten Flüsse sind der Amazonas, der zweitgrößte Fluss der Erde, der Paraná mit seinen eindrucksvollen Wasserfällen von Iguaçu und die Flüsse Rio Negro, Rio São Francisco, Rio Xingú, Rio Madeira, Rio Araguaia und Rio Tapajós.
Überblick über den Hauptstrom des Amazonas, der nahezu den gesamten südamerikanischen Kontinent durchquert [Quelle]
Die Lagoa dos Patos bei Porto Alegre ist mit über 10.000 km² die zweitgrößte Lagune Südamerikas, nicht einmal halb so groß ist die Lagoa Mirim, südlich der Stadt Rio Grande.
Klima
Das Klima Brasiliens, das zwischen 5° nördlicher Breite und 34° südlicher Breite liegt, ist überwiegend tropisch mit geringen jahreszeitlichen Schwankungen der Temperaturen. Nur im subtropischen Süden herrscht ein gemäßigteres Klima. Besonders im feuchten Amazonasbecken gibt es reichhaltige Niederschläge, man findet jedoch auch relativ trockene Landstriche mit teilweise lang anhaltenden Dürrezeiten, besonders im Nordosten des Landes.
Im Süden befindet sich an der Grenze zu Bolivien und Paraguay ein ausgedehntes Feuchtgebiet, das Pantanal.
Flora und Fauna
Der tropische Regenwald im Amazonasbecken ist der größte weltweit und beherrbergt etwa 90 % aller Tier- und Pflanzenarten der Erde. Bislang wurden mehr als 1.000 Vogel-, sogar über 3.000 Fischarten entdeckt. Größere Tiere sind der Kaiman, der Flußdelphin und der vom Aussterben bedrohte Flußmanati. Das Brasilianische Bergland im Zentrum und Süden des Landes ist mit Baumsavanne bewachsen, der Nordosten dieser Region mit Laubbäumen durchsetzte Strauchsavanne. Auch das Pantanal weist eine große Tier- und Pflanzenvielfalt auf. Die Sumpfregion im Südwesten Brasiliens steht sieben Monate im Jahr unter Wasser.
Demographische Struktur und Entwicklung
Die brasilianische Bevölkerung ist sehr jung. Es sind 26,6 % unter 15 Jahre alt, 67,6 % sind 15 bis 64 Jahre alt und nur 5,8 % über 65. Das mittlere Alter beträgt 27,4 Jahre, die mittlere Lebenserwartung liegt bei 71,4 Jahren. (Schätzungen für 2004)
81 % der Bevölkerung leben in den Städten, die sich durch rasantes Wachstum und Wildwuchs auszeichnen; in den Außenbezirken bilden sich Favelas genannte Armensiedlungen.
Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist in kaum einem Land so groß wie in Brasilien. So erhalten 10 % der Brasilianer etwa 50 % des Einkommens, die ärmsten 50 % im Land müssen mit nur 10 % des Einkommens leben. Etwa 5 Millionen Familien gelten als landlos. Bis 1998 zum Beispiel waren 2,8 % der Bauern Großgrundbesitzer mit zusammen 57 % der gesamten Agrarfläche, wohingegen 90 % der Bauern sich 22 % der Nutzfläche teilen müssen. Den schwersten Stand haben dabei Afro-Brasilianer, bei denen Armut, Säuglingssterblichkeit und Diskriminierung wieder zunehmen. Nicht viel besser ergeht es den Indios. Ein Gleichstellungs- und Anti-Hunger-Programm gilt seit 2003.
Ethnien
Ursprünglich vier Bevölkerungsgruppen bilden die brasilianische Bevölkerung. Sie sind heute jedoch so umfassend vermischt, dass eine klare Zuordnung oft nicht mehr möglich ist. Diese Gruppen sind:
- die Portugiesen, die ursprünglichen Kolonialisten
- die Afrikaner, die als Sklaven nach Brasilien verschleppt wurden
- verschiedene Immigrantengruppen, hauptsächlich aus Europa, dem Nahen Osten und Asien, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Brasilien angesiedelt haben. Seit 1818 sind über 300.000 Deutsche eingewandert. Eine große japanische Bevölkerungsgruppe lebt in Brasilien, außerdem viele Polen, vorwiegend in Paraná.
- einheimische Volksgruppen der Tupi- und Guarani-Sprachfamilien (200 ethnische Gruppen mit insgesamt etwa 250.000 Mitgliedern). Etwa 10 % der Fläche Brasiliens ist für Indianer reserviert.
Verbindungen (zumeist ohne offizielle Ehe) zwischen Portugiesen und Einheimischen oder Sklaven waren nicht ungewöhnlich und so begann schon früh in der Geschichte eine Verschmelzung der Ethnien und Kulturen.
Nur noch etwa 300.000 Indianer leben heute in Brasilien. Es gibt circa 200 Volksgruppen, die verschiedene Sprachen sprechen. Schon seit der Entdeckung des Landes wurden die Ureinwohner von den Neusiedlern zurückgedrängt. Durch die Rodung des Regenwaldes wird der Lebensraum dieser Volksgruppen immer mehr verkleinert. Aber die Brandrodung des Regenwaldes zeigt sich auch für Krankheitsepidemien, Umsiedlung und das Zerstören ihrer Kultur verantwortlich. Ihre Rechte sind zwar durch Gesetze geregelt, doch viele missachten sie einfach. Zum Schutz der Volksgruppen, viele sind in den letzten 50 Jahren ausgestorben, wurde die Behörde FUNAI gegründet, die aber auch nicht allein für den Schutz sorgen kann und deshalb oft kritisiert wird.
Sprachen
In Brasilien wird vorwiegend (brasilianisches) Portugiesisch gesprochen, das für mindestens 97 % der Bevölkerung Muttersprache ist. Indianersprachen werden nur noch von etwa 0.1 % der Bevölkerung gesprochen. Etwa 1.500.000 Brasilianer sprechen Deutsch als Muttersprache, 500.000 Italienisch, 380.000 Japanisch und 37.000 Koreanisch. Dabei muss berücksichtigt werden, dass der Anteil derjenigen mit Deutsch oder Italienisch als Muttersprache sehr optimistisch berechnet ist, da diese Volksgruppen zu den ersten Siedlern gehörten und die Nachfahren heute fast nur noch Portugiesisch verstehen, weil nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche und italienische Schulen geschlossen wurden. Brasilien ist das einzige portugiesischsprachige Land Amerikas.
Religion
Ungefähr 76 % der Bevölkerung sind römisch-katholischer Konfession. Damit ist die Landeskirche ist mit circa 145 Millionen Gläubigen die größte der Welt. Die übrigen Brasilianer sind größtenteils protestantischen Glaubens (starke Zunahme evangelikaler Freikirchen) oder Anhänger von Kulten, die aus afrikanischen Religionen entstanden sind (Candomblé, Umbanda und andere).
Geschichte
Brasilien wurde am 22. April 1500 von einer portugiesischen Expedition unter Leitung von Pedro Álvares Cabral entdeckt. In der Folgezeit wurde es zur portugiesischen Kolonie ausgebaut, deren Wirtschaft auf der Sklaverei basierte. Das Land wurde nach dem in Europa sehr beliebten Pau Brasil (Brasilholz), einem roten Edelholz, benannt.
Im Jahre 1807 flohen das portugiesische Parlament und die Königsfamilie mitsamt Hofstaat vor den Bedrohungen durch die napoleonischen Kriege und der portugiesische Regierungssitz wurde nach Brasilien verlegt. Nach der Rückkehr der Regierung im Jahre 1821 wurde die Regierung Brasiliens Dom Pedro IV., dem Sohn des portugiesischen Königs, übertragen. Dieser weigerte sich am 9. Januar 1822, einem Beschluss des portugiesischen Parlaments zu gehorchen, der ihm die Herrschaft über Brasilien wieder entziehen und das Land erneut unter koloniale Verwaltung stellen sollte.
Unabhängigkeit Brasiliens
Am 7. September des gleichen Jahres erklärte er die Unabhängigkeit Brasiliens und ließ sich am 12. Oktober zum ersten Kaiser krönen. Das Land blieb Monarchie bis am 15. November 1889 Dom Pedro II., der Sohn und Nachfolger von Dom Pedro I., entthront wurde und Marschall Deodoro da Fonseca die Republik ausrief. Am 24. Februar 1891 erließ die provisorische Regierung eine Verfassung, die sich an die der USA anlehnte. Dadurch erhielt das Land föderative Strukturen und die 20 Bundesstaaten waren seitdem weitgehend selbstständig.
Im 20. Jahrhundert war Brasilien in beide Weltkriege verwickelt. Als das Deutsche Reich, die Führungsmacht der Mittelmächte, im Ersten Weltkrieg den uneingeschränkten U-Boot-Krieg auf dem Atlantik begann, wurden auch neutrale Staaten ins Geschehen einbezogen, da auch ihre Schiffe von deutschen Unterseebooten versenkt wurden. 1917 erklärte Brasilien daher Deutschland und Österreich-Ungarn den Krieg. Brasilien war die einzige lateinamerikanische Macht, die Truppen zur Unterstützung der Alliierten an die Westfront in Europa schickte, aber militärisch bedeutsam war der Eingriff der brasilianischen Truppen nicht.
Zweiter Weltkrieg
Auch in den Zweiten Weltkrieg trat Brasilien aufgrund eines U-Boot-Kriegs der Deutschen im Atlantik ein. Nachdem Hitler auch neutrale Schiffe nicht verschonen wollte, war die Situation schon angespannt, doch als fünf brasilianische Schiffe im Südatlantik angegriffen und zerstört wurden, erklärte Brasilien 1942 den Achsenmächten den Krieg. Es sandte aber erst 1944 ein Expeditionskorps von etwas mehr als 25.000 Mann an die Front in Italien, wo sie bis Kriegsende kämpften.
Anderen Quellen (insbes. brasilianisches Militär) zufolge wollte jedoch Brasilien im 2. Weltkrieg trotz Versprechens erheblicher wirtschaftlicher Vorteile seitens der USA neutral bleiben. Grund für den Kriegseintritt soll das medienwirksam mit Nazi-Invasionsgerüchten verbundene Versenken eines brasilianisches Schiffes vor der eigenen Küste gewesen sein, bei dem vermeintlich der US-amerikanische Geheimdienst "nachgeholfen" hat. In der Folge kam es zur gewaltsamen Unterdrückung insbesondere von zahlreichen Nachfahren deutscher und italienischer Einwanderer, welche seit ca. 1850 friedlich und politisch erwünscht Brasilien mitbesiedelten. Deutsche und italienische Schulen sowie die deutsche und italienische Sprache wurden zeitweise bei Gefängnisstrafe verboten. Dieser Schritt war entscheidend für einen immer stärkeren politischen und wirtschaftlichen Einfluss der USA auf Brasilien in den folgenden Jahrzehnten. Auch schon vor der Bush-Politik kam es jedoch wieder zu einer politischen Annäherung an Europa.
Estado Novo und die Zeit der Diktatur
Von 1930 bis zum Ende des zweiten Weltkriegs 1945 regierte der Populist Getúlio Dornelles Vargas. 1934 erließ Vargas eine neue Verfassung, die eng an die der Weimarer Republik und Spaniens angelehnt war. Im Jahr danach schlug die Armee eine kommunistische Revolte im Nordosten Brasiliens blutig nieder. 1937 rief Vargas durch einen Staatsstreich, nach dem alle politische Parteien verboten wurden, den Estado Novo (Neuen Staat) aus und wurde Diktator. 1945 gab es wieder freie Wahlen und ein demokratisch gewählter Präsidenten, weil Vargas eine neue Verfassung unterzeichnete, die Brasilien zur Demokratie führen sollte. Gewählt wurde Enrico Gaspar Dutra, dessen Nachfolger 1950 erneut Vargas war. Nach vierjähriger Amtszeit wurde er wieder zum Rücktritt gedrängt und beging daraufhin Selbstmord. Während der Amtszeit von Juscelino Kubitschek wurde die neue Hauptstadt Brasília gebaut und am 21. April 1960 eingeweiht. In der Zwischenzeit war Brasilien 1945 in die UN aufgenommen worden.
1961 wurde die Staatsform verändert: aus Präsidialregime wurde ein parlamentarischer Staat. Aber schon zwei Jahre später musste diese Änderung und die gesamte Verfassungsreform wegen einer ablehnenden Volksabstimmung wieder annulliert werden. 1964 ergriff erneut das Militär die Macht in Brasilien und eine 21 Jahre währende Folge von Militärdiktaturen wurde eingeläutet. 1968 wurden wichtige Verfassungsgarantien aufgehoben, so löste der damalige Präsident unter anderem das Parlament auf. Der in den letzten Jahren größer gewordene Streit zwischen Staat und Kirche gipfelte 1976. Erst im Jahr 1985 wurde mit Tancredo Neves wieder ein ziviler Präsident gewählt, der aber verstarb, bevor er die Macht übernehmen konnte. Sein Nachfolger wurde José Sarney. 1988 wurde Brasilien dank erneuter Verfassungsänderung föderative Präsidialrepublik und es wurden Volksbegehren und Referendum eingeführt.
1990er Jahre
Nach mehreren Hyperinflationsphasen und Währungsreformen wurde 1994 der Real eingeführt (Ursprungswert = 1 US-Dollar), welcher bis heute gesetzliches Zahlungsmittel in Brasilien ist. Im Januar 1999 geriet das Land allerdings in eine Währungskrise, welche zu einer starken Abwertung des Real und dann zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise führte. 2004 notierte der US-Dollar bei etwa 3 Real, d.h. in den 10 Jahren des Real hat die brasilianische Währung bei kontrollierter (im Vergleich zu Ländern harter Währungen dennoch hoher) Inflation etwa zwei Drittel ihres Wertes verloren, was dennoch insgesamt positiv zu werten ist, da seit Einführung des Reals eine weitaus größere wirtschaftliche Planungssicherheit in Brasilien gegeben ist (zuvor war eine Inflation von über 50 % im Monat keine Seltenheit, auch kam es einmal zur Beschlagnahme von Geldanlagen). Der Real ist in letzter Zeit jedoch auf einen Kurs von 2.33 R$ für einen US$ (2,92 R$ für einen E) zurückgegangen.
Politik
Brasilien wurde 1964 bis 1985 vom Militär regiert. In dieser Zeit litten vor allem die Indios unter Menschenrechtsverletzungen, die Wirtschaft wurde nicht gut genug unterstützt und aufgebaut. Zurück blieben Schulden (zwischenzeitlich hatte Brasilien höhere Auslandsschulden als alle anderen Staaten der Welt) und Staatsbetriebe, die finanziell am Ende waren.
Die Verfassung aus dem Jahr 1988 gewährt der Bundesregierung weitgehende Befugnisse. Der Präsident wird für eine Amtsperiode von vier Jahren direkt vom Volk gewählt. Seit 1998 kann er einmal wiedergewählt werden. Er besitzt eine weit reichende exekutive Gewalt, ist Staatsoberhaupt und Regierungschef und stellt das Kabinett zusammen.
Nach einer Übergangsbestimmung wurde 1993 ein Referendum über die Staats- (Monarchie oder Republik) und Regierungsform (Präsidial- oder parlamentarisches System) abgehalten. Die Bevölkerung entschied mit jeweils großer Mehrheit (87 % bzw. 69 %) für die Republik und ein Präsidialsystem. Im vierten Versuch wurde Luiz Inácio Lula da Silva, genannt Lula, 2002 zum Präsidenten gewählt.
Politische Probleme Brasiliens sind schwache Parteien ohne ideologisch begründete Programme. Diese bilden Koaltionen, die nie lange halten, somit müssen Gesetze meist durch Absprachen verabschiedet werden. Viele kleine Parteien und Korruption (1992 wurde der damalige Präsident Collor de Mello aus diesem Grund des Amtes enthoben) verschlimmern die Lage noch.
Brasilien empfängt jährlich etwa 376 Millionen US- Dollar Entwicklungshilfe, den Großteil stellen Japan und die EU-Länder zur Verfügung.
Das brasilianische Parlament, der Nationalkongress oder Congresso Nacional, besteht aus zwei Kammern:
Der föderative Senat oder Senado Federal setzt sich aus 81 Abgeordneten zusammen, von denen jeweils drei aus jedem der Bundesstaaten entsendet werden.
Die Senatsabgeordneten werden nach dem Mehrheitswahlrecht für Amtsperioden von acht Jahren bestimmt.
Neben dem Senat gibt es die Abgeordnetenkammer oder Câmara dos Deputados mit 513 Sitzen, deren Mitglieder nach dem Verhältniswahlrecht für Amtsperioden von vier Jahren gewählt werden.
Nach den Wahlen von 2002 haben sechs Parteien den Einzug in die Abgeordnetenkammer geschafft, stärkste Kraft ist die Partido dos Trabalhadores mit 18 %. Im Senat sind neben vier großen Parteien ebenso eine Reihe kleiner Gruppen vertreten. Die meisten Senatsabgeordneten (jeweils 23 %) gehören der Partido do Movimento Progressista und der Partido da Frente Liberal an.
Parteien
Im Senat sind unter anderem folgende Parteien vertreten:
- Partido do Movimento Progressista (PMDB): zentralistische Ausrichtung, Gründung: 1979
- Partido da Frente Liberal (PFL): liberale Ausrichtung, Gründung: 1984
- Partido dos Trabalhadores (PT): Arbeiterpartei, Gründung: 1980
- Partido da Social Democracia Brasilieiro (PSDB): sozialdemokratische Ausrichtung, Gründung: 1988
In der Abgeordnetenkammer sind diese sechs Parteien vertreten: PT, PFL, PMDB, PSDB, Partido Progressista Brasilieiro (PPB) und Partido Liberal (PL).
Wichtige Parteien des letzten Jahrhunderts, die mittlerweile aufgöst sind:
- Partido Comunista Brasil (PCB): kommunistische Ausrichtung, Gründung: 1922, Auflösung: Ende der 1980er Jahre
- União Democrático Nacional (UDN): gemäßigt konservative Ausrichtung, Gründung: 1945, Auflösung: 1965
- Aliança Renovadora Nacional (ARENA): vom Militär kontrollierte Partei, Gründung: 1966, Auflösung: 1979
- Movimento Democrático Brasileiro (MDB): gegen die Militärregierung gerrichtet, Gründung: 1966, Auflösung: 1979
Militär
Die Armee hat in Brasilien nach über zwanzig Regierungsjahren immer noch einen hohen Stellenwert. Die Waffenindustrie ist gut entwickelt. Während der Militärdiktatur bestand ein langjähriges Kernwaffenprojekt. Mit dem Übergang in die Demokratie hat Brasilien auch das Vorhaben aufgegeben, Kernenergie für militärische Zwecke zu nutzen. Die offizielle Aufgabe des Atomwaffenprogramms erfolgt 1998 mit der Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags. Im Jahr 2004 übernahm man zum ersten Mal in seiner Geschichte eine größere Verantwortung und Rolle im Rahmen einer UN-Friedensmission in Haiti. 1.470 Soldaten haben im Juli die Führung des Einsatzes in dem Karibikstaat übernommen. Es besteht Wehrpflicht und der Etat des Verteidigungsministeriums liegt bei über 9,5 Milliarden US-Dollar.
Bildungswesen
Die Alphabetisierungsrate des Landes liegt bei 87 %, das Schulabgangsalter bei 14 Jahren. Damit dauert die Schulausbildung im Vergleich zu anderen südamerikanischen Staaten nicht so lang. In die Bildung fließt ein ähnlich großer teil des Bruttosozialprodukts wie in Europa, doch wird es in Brasilien weniger gut eingesetzt, so dass die Grundschulbildung eher schlecht ist. In 150 Universitäten (etwas mehr als die Hälfte davon sind staatlich) werden fast 2,8 Millionen Studenten unterrichtet.
Außenpolitik
Brasilien ist Mitglied u.a. folgender internationaler Organisationen:
• Vereinte Nationen (seit 1945)
• Organisation Amerikanischer Staaten
• Mercosur (port. Mercosul)
• Gruppe der Zwanzig
• Gruppe der Zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer
• Bewegung der blockfreien Staaten
• Iberoamerika-Gipfel
• Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder
• Rio-Gruppe
• Südamerikanische Staatengemeinschaft
• BRIC-Staaten
Neben einer Verbesserung der Verhältnisse zu Mexiko, Konkurrent im Kampf um die Vorherrschaft in Lateinamerika, erreichte Präsident Lula in seiner Amtszeit eine gute Partnerschaft mit Venezuela. Unter anderem bot er Vermittlung im Streit mit Kolumbien an.
Innere Sicherheit
Die Kriminalitätsrate Brasiliens ist im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt relativ hoch. Die Polizei hat vor allem in den Städten mit Raubüberfällen und Drogendelikten zu kämpfen. Das Polizistengehalt ist niedrig, weshalb vermehrt der Vorwurf nach Erpressung und Mord aufkam. Auch Gefängnisaufstände sind durch schlechte Haftbedingungen in überfüllten Haftanstalten fast an der Tagesordnung. Das Leben der Kleinbauern und Indios auf dem Land ist wegen Auftragsmorden für Großgrundbesitzer gefährlich. In den letzten Jahren wurden vermehrt auch Fußballer und ihre Familienmitglieder entführt. Berühmte Beispiele sind Robinhos Mutter Marina de Souza und und der Vater des Weltfußballers 1994 Romario. Um die Kriminalität zu verringern wurde im Januar 2004 ein Gesetz verabschiedet, das den privaten Waffenbesitz verbietet.
Bundesstaaten
Brasilien besteht aus 26 Bundesstaaten und einem Bundesdistrikt (Distrito Federal). Diese sind administrativ in fünf Regionen aufgeteilt:
- Norden (Região Norte): Acre, Amapá, Amazonas, Pará, Rondônia, Roraima, Tocantins
- Nordosten (Região Nordeste): Alagoas, Bahia, Ceará, Maranhão, Paraíba, Pernambuco, Piauí, Rio Grande do Norte, Sergipe
- Mittelwesten (Região Centro-Oeste): Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Distrito Federal Brasília
- Südosten (Região Sudeste): Espírito Santo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, São Paulo
- Süden (Região Sul): Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul
Die bedeutendste Region ist der Südosten mit den Ballungsräumen São Paulo und Rio de Janeiro.
Straßenverkehr
Das Autobahnnetz Brasiliens ist mit etwa 2 Millionen km das zweitlängste der Welt, annähernd 200.000 km sind gepflastert. Der brasilianische Name für Autobahn ist Rodovia. Annahmen zu Folge nehmen jährlich mehr als 1,2 Milliarden Reisende den Weg über die Fernstraßen, nur 80 Millionen fliegen. Es herrscht Rechtsverkehr. Der Name der Autobahnen führt zurück auf den Bundesstaat, wo sie liegen, und die Richtung, in die sie verlaufen. Ein Sonderfall sind Autobahnen, die nach Brasília führen:
• Autobahnen mit den Nummern 000-099 führen nach Brasília
• Autobahnen mit den Nummern 100-199 verlaufen von Norden nach Süden
• Autobahnen mit den Nummern 200-299 verlaufen von Westen nach Osten
• Autobahnen mit den Nummern 300-399 verlaufen diagonal (von Nordwest nach Südost oder von Nordost nach Südwest)
• Autobahnen mit den Nummern 400-499 sind unwichtigere Autobahnen. Sie verbinden meist nur eine Stadt mit einer größeren Autobahnen in der Nähe.
So liegt zum Beispiel die Autobahn SP-280 im Bundesstaat São Paulo und verläuft von West nach Ost. Neben ihrem offiziellen Namen sind einige Autobahnen auch noch nach berühmten Persönlichkeiten benannt.
Schienenverkehr
Die Bahnverbindungen wurden ausgedünnt, dennoch besteht noch ein Schienennetz von fast 30.000 km Länge.
Flugverkehr
Wegen der großen Entfernungen werden innerhalb Brasiliens Flugreisen immer wichtiger, doch sind die Kosten für die meisten Brasilianer zu hoch, so dass sie auch beschwerliche Reisen mit dem Bus unternehmen müssen. Der größte Flughafen des Landes ist Guarulhos International in São Paulo mit jährlich fast 13 Millionen Passagieren.
Schiffsverkehr
Die Binnenschifffahrtswege haben insgesamt eine Länge von rund 50.000 km. Die Handels- und Frachtflotte besteht aus etwa 475 Schiffe. Die größten brasilianischen Häfen liegen in Belém, Fortaleza, Ilheus, Imbituba, Manaus, Paranagua, Porto Alegre, Recife, Rio de Janeiro, Rio Grande, Salvador, Santos und Vitória.
Telekommunikation
In Brasilien gab es 2005 39 Millionen Telefone, was einen Anstieg um 20 Millionen Anlagen im Vergleich zu 1997 bedeutet. Außerdem sind etwa 80 Millionen Mobiltelefone im Umlauf. Auch hier ist der Anstieg zu 1997 (4 Millionen Mobiltelefone) deutlich. Das Telefonsystem funktioniert gut. Es existieren drei Koaxial-Tiefsee-Kabel, national ist das Funk-Relais-System gut ausgebaut, auch das Satellitensystem funktioniert gut.
Energie
Pipelines mit reinem Erdöl haben in Brasilien eine Länge von knapp 3.000 km, Erdöl-Produkte werden in einem Pipeline-Netz mit einer Länge von knapp 5.000 km transportiert und die Erdgasleitungen haben insgesamt eine Länge von etwa 4.250 km.
Wirtschaft
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lebte die Bevölkerung vor allem vom Export von Agrarprodukten. Dann gab es aufgrund der beginnenden Industrialisierung des Landes einen zunehmenden Mangel an Arbeitskräften, der nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1888 noch weiter verschärft worden war. Dies lockte eine große Zahl von Einwanderern an, die größten Gruppen unter ihnen waren neben Portugiesen und Spaniern, Deutsche, Italiener, Polen und Japaner.
Während des ersten Weltkriegs geriet das Land, weil die wichtigsten Export-Artikel (Kaffee, Zucker, etc.) von einem enormen Preisverfall betroffen waren. Hilfe kam mit Kapital und Immigranten aus Großbritannien. Mit Ausnahme des ersten Weltkriegs konnte die Wirtschaft und auch das Verkehrsnetz in den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhundert stetig wachsen.
1917 kam es zu ersten großen Streikwellen in São Paulo und Rio de Janeiro, auf die die Regierung mit Unterdrückung reagierte. In den 1920er Jahren bildeten sich Arbeiterparteien und Gewerkschaften, doch dies führte nicht zu einer stärkeren Stellung im Staat, da sie keine Vertretung in oberen Schichten hatten. Auch die Leutnantbewegung Tenentismo ab 1922 konnte daran nichts ändern, da Versuche einer Revolution scheiterten.
Ein aktuelles Problem der brasilianischen Wirtschaft ist die steigende Urbanisierung und Zuwanderung der Landbevölkerung in die Städte. Allein in Brasilia steigt sie pro Jahr um 3 %, was in den Armenvierteln katastrophale Auswirkungen hat.
Mit großen, gut entwickelten Landwirtschafts-, Bergbau-, Produktions-, und Dienstleistungssektoren auf der einen Seite und einem großen Vorrat an Arbeitskräften auf der anderen ist die brasilianische Wirtschaft heute die kräftigste Südamerikas und gewinnt auf dem Weltmarkt an Bedeutung. Die wichtigsten Exportprodukte sind Kaffee, Kakao, tropische Früchte, Sojabohnen und Eisenerz. 40 % der brasilianischen Agrarausfuhren gehen in die EU, 17 % in die USA.
Auf den meist von Zuckerbaronen beherrschten Zuckerrohrplantagen herrschen äußerst schlechte Bedingungen. Menschen arbeiten teilweise in sklavenähnlichen Verhältnissen in riesigen Monokulturen.
Zu den größten Herausforderungen für die brasilianische Wirtschaft zählen nach wie vor die Inflation und die Kluft zwischen einer wohlhabenden, gut ausgebildeten Bevölkerungsminderheit und der schlecht ausgebildeten Mehrheit, die größtenteils am Rande des Existenzminimums lebt. Es gibt eine große Bewegung von Landlosen, die Movimento dos sem terra (MST), die für eine Landreform kämpfen.
Wichtige brasilianische Unternehmen sind: Petrobras (Erdöl), Companhia Vale do Rio Doce (Bergbau), Gerdau (Metallverarbeitung), AmBev (Getränke), Embraer (Flugzeugbau), Norberto Odebrecht (Baugewerbe), Sadia (Lebensmittel).
Bodenschätze
Folgende Rohstoffe werden in Brasilien abgebaut: Eisen, Mangan, Kohle, Bauxit, Nickel, Erdöl, Zinn, Silber, Diamanten, Gold, Erdgas, Uran. Täglich werden 1,5 Millionen Barrel Erdöl gefördert, Uran ist im Landesinnern vorhanden, der Bauxit-Tagebau verschmutzt die Flüsse und gefährdet so die Umwelt.
Tourismus
Der Tourismus ist in Brasilien noch nicht sehr bedeutend und macht nur etwa 0,5 % des Bruttosozialprodukts aus, der weltweite Durchschnitt liegt bei 10 %. Die jährliche Besucherzahl liegt bei etwa 4,8 Millionen. Beliebt sind vor allem die Strände und der Karneval von Rio de Janeiro, die Hauptstadt Brasília, das Amazonasbecken und die Wasserfälle von Iguaçu. Die relativ geringe Anzahl an Touristen (auf einen Besucher kommen in Brasilien 37 Einheimische, in Deutschland nur etwa 4,6) ist mit hohen Preisen für schlechteren Service als zum Beispiel in den USA begründbar. Inlandflüge sind teuer, da es im ganzen Land keine Charterflüge gibt.
Umwelt
Die Abholzung und Brandrodung des brasilianischen Regenwaldes nimmt bedrohliche Züge an. So sind an den Treibhausabgasausstößen des Landes Brandrodungen mit 75 % beteiligt, während die Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht einmal ein Viertel ausmachen. Alleine von August 2003 bis August 2004 wurden in Brasilien 26.130 km² Regenwald vernichtet. Das entspricht fast der Fläche Brandenburgs.
Ein weniger bekanntes, jedoch sehr ernst zu nehmendes Umweltproblem steht im Zusammenhang mit den Goldgräbern Brasiliens, den so genannten garimpeiros. Zum Auswaschen des Goldes verwenden sie Quecksilber in verhältnismäßig hohen Mengen. Diese gelangen schließlich in die Böden bzw. das Grundwasser und führen zu einer Verseuchung des Amazonasgebietes.
Medien
Im Jahre 2002 wurde die Verfassung in der Hinsicht verändert, dass die Anteile ausländischer Unternehmen an den nationalen Medien nicht größer als 30 % sein dürfen.
Printmedien
In Brasilien gibt es etwa 380 Tageszeitungen. Die bekanntesten von ihnen sind A Folha de Sao Paulo, O Día und O Globo. Letztere gehört zur Globo-Gruppe, die die brasilianische Medienlandschaft beherrscht. Ihre jetzige Stellung wird aber von internationalen Konzernen und dem Internet bedroht.
Radio und Fernsehen
Es gibt einen staatlichen Radiosender neben über 2.900 privaten Stationen. In ganz Brasilien gab es 1997 etwa 70 Millionen Radiogeräte. Darüber hinaus gibt es 19 staatliche und etwa 250 private Fernsehsender. Die Reichweite des Mediums Fernsehen ist in Brasilien relativ groß: 90,3 % der Haushalte hatten 2003 einen Fernseher.
Internet
Im Jahre 1999 gab es 200 Internetdienstanbieter. Fünf Jahre später (2004) galten gut 19,3 Millionen Brasilianer als Internet-User.
Kunst
In Brasilien hat sich die Kunst aus der Religion entwickelt. Die dominierende Kunst war früher die Sakralkunst. Unter anderem wurden zahlreiche Kirchen der verschiedensten Religionen künstlerisch gestaltet. Die Zusammenarbeit zwischen Holzschnitzern, Steinmetzen und Malern verlief so, dass auch die Farbwahl gegenseitig abgestimmt war und die Kirchen heute zu den schönsten Amerikas zählen. Üppig ausgestattet waren die Kirchen schon im 17. Jahrhundert, doch erst im 18. Jahrhundert entstanden die größten und wertvollsten Kunstwerke.
Musik
Aus der vorkolonialen Zeit ist kaum etwas über die Musik bekannt, die erste bekannte Beschreibung datiert aus dem Jahre 1568. Ein französischer Pastor beschrieb damals in einem Buch über seine Reise in das Land die Tänze und Gesänge der Ureinwohner. Die Musik veränderte sich unter dem Einfluss der europäischen Siedler und afrikanischen Sklaven. 1922 kam es durch die Semana de Arte Moderna (Woche der modernen Künste) zu einer musikalischen Revolution. Mit Heitor Villa-Lobos an der Spitze entstand eine Gruppe neuer Komponisten, die den brasilianischen Folk moderner in ihre Lieder einbauten. In den 1950er Jahren kam Bossa Nova zum ersten Mal auf. Tropicalismo entstand Ende der 1960er Jahre, als man zu Bossa Nova-Melodien politische Texte dichtete. Die Rockmusik aus Brasilien wird Música Popular Brasileira genannt. Die international bekannteste brasilianische Musikform ist der Samba. Andere Musikformen: Música Nordestina (aus dem Nordosten stammende Musik mit langsamen Rhythmen), Afôxe (religiöse Musik, die 1949 das erste Mal auftrat und in Verbindung mit der Freiheitsbewegung der Indianer steht), Frevo (Musikstil aus Recife, der besonders in Salvador bekannt ist), Forró (Musikart, die von Trios gespielt wird und bei der eine Trommel, eine Triangel und ein Akkordeon gespielt werden), Maracatu (afro-brasilianische Tradition, gespielt wird mit großen Trommeln, Glocken und Rasseln)
Literatur
Das erste erhaltene Dokument, dass als Brasilianische Literatur bezeichnet werden kann, ist ein Brief von Pero Vaz de Caminha an Manuel I. von Portugal, in dem Brasilien im Jahre 1500 beschrieben wurde. In den nächsten beiden Jahrhunderten machten Beschreibungen von Reisenden über das "Portugiesische Amerika" und seine Einwohner die brasilianische Literatur aus, so wurden zum Beispiel die Berichte des deutschen Soldaten Hans Staden berühmt. Außerdem wurde aus dieser Zeit religiöse Literatur gefunden. Neoklassizismus war in der Mitte des 18. Jahrhunderts weit verbreitet. In der Kolonialzeit war der für seine Goldminen bekannte Bundesstaat Minas Gerais Zentrum der Literatur. Ab etwa 1836 beinflusste die Romantik die brasilianische Literatur. In dieser Zeit entstanden die ersten Standardwerke der Landesliteratur. Auf die Romantik folgte der Realismus, bei dem Joaquim Maria Machado de Assis als bester und populärster brasilianischer Schriftsteller hervorstach. Zwischen 1895 und 1922 ist eigentlich kein genauer Stil zu erkennen, doch einige Züge der Moderne gab es schon, so dass diese Periode "Vor-Moderne" genannt wird. Seit der Semana de Arte Moderna (Woche der modernen Künste) 1922 gilt der Stil als Moderne. Die berühmtesten Autoren dieser Zeit sind Mário de Andrade und Oswald de Andrade.
Kulinarisches
Aufgrund der Größe ist es schwierig die Brasilianische Küche zu definieren. Es ist gesichert, dass sie durch die portugiesische Kolonisation beeinflusst wurde. Als Nationalgericht gilt die Feijoada, die aus Reis, schwarzen Bohnen, Farinha (ein Maniokmehl) und unterschiedlichsten Fleischsorten zubereitet wird. Wegen des großen Abstands zwischen den Orten sind die Verpflegungsstationen an Fernstraßen wichtig. Hier wird zwischen kommerziell betriebenen Snackbars mit großem Angebot an Sandwiches und anderen einfachen Gerichten und kleinen, familiären Haltepunkten, die meist nur ein Gericht (Reis, Kartoffeln oder Bohnen mit einer Fleischsorte) bieten.
Architektur
Im Amazonasbecken herrschen die primitiven Indianerhütten vor, in anderen Bundesstaaten, zum Beispiel Minas Gerais, sind dagegen prachtvolle und historische Städte, erbaut im Barock, und ebenso prachtvoll dekorierte Kirchen zu finden. Brasília ist anders als der Rest des Landes aufgebaut, denn die Hauptstadt wurde erst in den 1960er Jahren errichtet und unterliegt einem genauen Plan. Brasília ist berühmt für modernistische Gebäude, alle öffentlichen Gebäude entstammen von Oscar Niemeyer, der als Wegbereiter der modernen brasilianischen Architektur gilt.
Sport
National- und auch Volkssport des Landes ist Fußball. Die Brasilianische Fußballnationalmannschaft ist fünfmaliger Weltmeister und damit die erfolgreichste Nationalmannschaft der Welt. Ein Großteil der Bevölkerung spielt aber Fußball mit einfacheren Verhältnissen wie selbst gemachten Bällen auf Schotterplätzen. Viele Kinder und Jugendliche wollen Fußballprofi werden, weil es eine der wenigen Möglichkeiten ist, der Armut zu entgehen.
Des Weiteren ist Brasilien der Gastgeber des letzten im Formel-1-Rennkalender verbliebenen lateinamerikanischen Grand Prix, des Großen Preises von Brasilien, und hat bedeutende Rennfahrer hervorgebracht wie Emerson Fittipaldi, Nelson Piquet, Ayrton Senna und Rubens Barrichello.