Botswana
Botswana ist ein Land im südlichen Afrika. Der Name leitet sich vom von der Bezeichnung des Volkes der Tswana ab. Nationalfeiertag ist der 30. September, Tag der Unabhängigkeit (1966). Botsuana grenzt an Südafrika, Namibia, Sambia und Simbabwe.
Etwa 40 % (Stand 2004) der Erwachsenen sind mit HIV infiziert die höchste Rate der Welt. Alle 3 Stunden stirbt ein Mensch im Land an Aids. Die Krankheit bedroht zunehmend die sozioökonomische Existenz des Landes.
Geographie
Lage: zwischen 17° 40' und 27° südlicher Breite sowie 20° und 29° 20'.
Mit einer Fläche von rund 600.000km² ist Botsuana etwas größer als Frankreich, das Land gehört allerdings zu den am dünnsten besiedelten der Erde.
Große Teile des Landes macht die Halbwüste (Kalahari) im Südteil aus. Sie besteht aus Savanne (Dorn- und Grassavannen). Darüber hinaus gibt es Salzpfannen- und Salzseen, die während der Regenzeit zu großen seichten Seen werden - das ist wichtig für zahlreiche Wildtiere.
Im Norden des Landes befindet sich das Okawango- Becken. Der Okavango läuft in die Kalahari, weil er durch tektonische Verwerfung nicht den Weg zum Meer findet. Er versickert mit vielen Nebenarmen in der Wüste, wodurch sich eine artenreiche Oase bildete.
Die größte Erhebung sind die Tsodilo Hills mit 1.489 Meter.
Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Gaborone: 208.411 Einwohner, Francistown: 89.979 Einwohner, Molepolole: 63.251 Einwohner, Selebi- Pikwe: 53.727 Einwohner, Maun: 49.948 Einwohner und Serowe: 47.421 Einwohner.
Der Staat gliedert sich in neun Distrikte: Central, Ghanzi, Kgalagadi, Kgatleng, Kweneng, North-East, North-West, South-East und Southern.
Bevölkerung
Botsuana hat etwa 1,6 Millionen Einwohner. Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung teilt sich wie folgt auf:
• Tswana 75,5 %
• Shona 12,4 %
• San ("Buschleute") 3,4 %
• Khoi Khoi ("Hottentotten") 2,5 %
• Ndebele 1,3 %
• andere 4,9 %, darunter etwa 2% Europäer.
Die Einwohnerzahl ist seit der Unabhängigkeit stark angestiegen, wobei sich die Anstiegskurve wegen der hohen Sterblichkeit durch Aids zuerst abflachte und in Jahre 2005 ein Bevölkerungsschwund in der Größenordnung von einem Prozent auftrat, wozu auch die Auswanderung beitrug.
Sprache
Amtssprache ist Englisch. Auf Englisch verhandelt das Parlament und auch alle größeren Zeitungen bedienen sich der englischen Sprache. Auch in der Schule wird ab der Sekundarstufe in Englisch unterrichtet.
Gleichwohl findet die Kommunikation in der Bevölkerung auf Setswana statt, einer Bantusprache, die von dem weitaus überwiegenden Teil der Einwohner verstanden wird. Diese Sprache ist auch Unterrichtssprache in der Grundschule.
Religionen
• Örtliche traditionelle Glaubensrichtungen 49,2 %
• Protestanten 29,0 %
• Afrikanische Christen 11,8 %
• Katholiken 9,4 %
• andere 0,6 %
Geschichte
In vorkolonialer Zeit war das Gebiet des heutigen Botsuana von mehreren kleinen Königreichen der Tswana beherrscht, die unter dem Druck einwandernder Buren um britische Hilfe baten. Großbritannien schloss mit den Tswana-Herrschern Schutzverträge und bald darauf war das Gebiet von 1865 bis 1966 unter dem Namen Bechuanaland das größte britische Protektorat im südlichen Afrika.
1961 gewährte man den Einwohnern eine eingeschränkte Autonomie und es bildeten sich die ersten politischen Parteien. Botsuana erlangte schließlich am 30. September 1966 seine Unabhängigkeit von Großbritannien und wurde Mitglied des Commonwealth und proklamierte auch seinen neuen Namen.
Politik und Verfassung
Die Verfassung des Landes stammt aus dem Jahre 1965. Gesetzgebungsorgan ist ein Parlament, dem neben den Mitgliedern der - alle 5 Jahre gewählten - Nationalversammlung auch der Staatspräsident, der Parlamentssprecher und vier vom Präsidenten bestimmte Mitglieder angehören.
Eine weitere Kammer ist das House of Chiefs, das 15 Mitglieder umfasst und aus den führenden Stammesvertretern des Landes gebildet wird. Es hat im Wesentlichen beratende Funktionen. (Vgl. dazu Sambia.)
Die Exekutivgewalt liegt beim Staatspräsidenten. Er wird vom Parlament gewählt, wobei inzwischen nur noch eine einmalige Wiederwahl zulässig ist. Erster Staatspräsident war bis zu seinem Tode im Jahr 1980 Seretse Khama; ihm folgte zunächst Ketumile Masire und seit 1998 Festus Mogae, der am 30. Oktober 2004 seine zweite Wahlperiode begann.
Es besteht ein Mehrparteiensystem. Seit der Unabhängigkeit ist die von Seretse Khama gegründete Botswana Democratic Party (BDP) Regierungspartei. Oppositionsparteien sind die Botswana People's Party (BPP) und in letzter Zeit in städtischen Gebieten erstarkend die Botswana National Front (BNF). Das hat allerdings nur sehr begrenzte Auswirkungen. Auch bei den letzten Wahlen im Oktober 2004 war die BDP wieder überragende Wahlsiegerin; die zersplitterten Oppositionsparteien errangen insgesamt nur 5 Sitze im Parlament. Die Wahlen gelten als frei und fair.
Botsuana ist ein Rechtsstaat, geprägt von einer dem römischen Recht ("Roman Dutch Law"), das ist Gemeines Recht holländischer Prägung, entlehnten Grundstruktur, wobei allerdings auch eine Rechtsprechung nach hergebrachtem Stammesrecht existiert. Die freie Meinungsäußerung ist weitgehend gewährleistet. Gelegentlich kommen ethnischen Spannungen auf und es soll auch - wenn auch selten - zu polizeilichen Übergriffen und Menschenrechtsverletzungen kommen, was aber die Verhältnisse sicherlich nicht prägt.
Der von Transparency International gemessene Internationale Korruptionsindex für Botsuana erwies sich bislang immer als sehr günstig, 2005 belegte das Land zum Beispiel den Platz 32 (zum Vergleich: Schweiz-7, Österreich-10, Deutschland-16, Italien- 40, Südafrika-46).
Wirtschaft
Das volkswirtschaftliche Einkommen Botsuanas beruht auf dem Erschließen von Bodenschätzen im Bergbau, auf der Fleischproduktion und auf Einnahmen aus dem Tourismus. Dabei macht der Diamanten-Export über 70 % des Gesamtexportwertes aus; die Diamantenminen werden von einer Gesellschaft ( Debswana ) betrieben, die je zur Hälfte dem Botswanischen Staat und dem Diamantenkonzern De Beers gehört.
Das Land verfügt über eine stabile Währung, den Pula, dessen Wechselkurs sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber dem Euro in den letzten Jahren angestiegen ist.
Botsuana hatte im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten ein sehr hohes Wirtschaftswachstum, das sich auf durchschnittlich jährlich 9 % belief. So hat sich das Land von einem der ärmsten Länder der Erde zu einem Land mit mittlerem Einkommen entwickelt und verfügt über das höchste Kredit-Rating in Afrika. Die Wachstumsrate ist allerdings in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.
Wegen seiner politischen Stabilität, wirtschaftlichen Entwicklung und der stetigen Verbesserung der Lebensumstände wird Botsuana oft als ein "Musterland" Afrikas bezeichnet. Dies ist einerseits dem Umstand zu verdanken, dass bereits kurz nach Erlangung der Unabhängigkeit reichhaltige Diamantenminen entdeckt wurden ( Geschichte Botsuanas ), aber andererseits auch dem Umstand, dass die so gewonnenen Mittel auch tatsächlich überwiegend in die Entwicklung des Landes investiert wurden.
Durch die endemische hohe AIDS-Rate und die damit verbundene hohe Sterblichkeit ist auch die weitere wirtschaftliche Entwicklung Botsuanas sehr gefährdet.
Gesundheitswesen
Botsuana hat seit der Unabhängigkeit landesweit eine gut strukturierte Gesundheitsversorgung eingerichtet. Es gibt zahlreiche Gesundheitsposten in den abgelegenen Außengebieten mit reiner Basisversorgung, "Clinics" (kleine Krankenstationen, geleitet von examinierten Krankenschwestern) und insgesamt 17 Health Centres in größeren Orten. Hinzu treten noch einige hundert mobile Kliniken (Mobile Clinics), so dass eine Grundversorgung der Bevölkerung sicher gestellt ist.
Allerdings wird Botsuana nunmehr hart von der AIDS-Seuche getroffen. Mit knapp 40 % HIV-Infizierten [link] hat Botsuana eine der höchsten Durchseuchungsraten des AIDS-Erregers. Seit dem Jahre 2002 werden deshalb im Rahmen eines staatlichen Programmes ("Masa" = "Neuer Sonnenaufgang") kostenlos antiretrovirale Medikamente verteilt.
Die Seuche ist eine existentielle Bedrohung nicht nur für jeden einzelnen Betroffenen, sondern auch für das gesamte Staatswesen, da bei Fortschreiten der Krankheitsentwicklung mit einem Zusammenbruch der Volkswirtschaft gerechnet werden müsste. Die durchschnittliche Lebenserwartung sank von 63 Lebensjahren im Jahre 1991 über 38 Lebensjahre im Jahr 2002 auf dramatische 31 Lebensjahre im Jahr 2004. Deshalb hängt viel vom Erfolg der eingeleiteten Programme ab.