Motorrad Kette wechseln
Die früher üblichen einfachen Rollenketten sind mittlerweile fast vollkommen von den deutlich langlebigeren O-Ring-Ketten verdrängt worden. War bei der Montage der alten Rollenketten im wesentlichen darauf zu achten, daß die offene Seite des Kettenschlosses entgegen der Drehrichtung und nach außen zeigt, so sieht es bei den Endlosketten komplizierter aus.
Daß eine Kette am Ende ist, erkennt man unter anderem daran, daß der Spielraum, den der Kettenspann-Mechanismus bietet, nicht mehr ausreicht, die Kette genügend straff zu halten. Oft läßt sich die Kette deutlich vom Kettenrad abheben oder ist gar ungleich gelängt - erkennbar daran, daß sich die Kettenspannung während einer Radumdrehung deutlich ändert.
Zum Wechseln einer Endloskette ist zunächst das Motorrad standsicher aufzubocken. Dann wird der Seitendeckel, unter dem sich das vordere Ritzel befindet, vom Motorblock entfernt. Unter dem Ritzel ist in aller Regel ein Sicherungsblech, das mit Hilfe eines kleinen Meißels heruntergedrückt werden kann. Zum Lösen der Mutter wird ein Gang eingelegt und die Bremse betätigt. Nun ist die Achse des Hinterrads zu entfernen; ist die Mutter gelöst, hilft ein starker Schraubenzieher, die Achse aus dem Rad zu drücken. Um spätere Verwechslungen auszuschließen, ist es hilfreich, alle Unterlegscheiben und Distanzstücke in der richtigen Reihenfolge auf die ausgebaute Achse zu stecken.
Bei Modellen mit Trommelbremse wird das Bremsgestänge ausgehängt, bei solchen mit hinterer Scheibenbremse die Bremszange von der Scheibe gezogen. Nach Lösen des Kettenschutzes kann die Kette vom Kettenrad abgenommen werden. Anschließend wird das Rad nach hinten aus der Schwinge gezogen, wobei das Motorrad notfalls etwas gekippt werden muß. Nach Lösen der Schwingenachse sowie des Zentralfederbeins beziehungsweise der Federbeine von der Schwinge, kann die Schwinge entfernt werden. Erst jetzt läßt sich die alte Kette abnehmen und durch eine neue ersetzen. Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.
Nach den Herstellervorgaben wird die Kette gespannt und während der ersten 1000 Kilometer öfter kontrolliert, da sich neue Ketten etwas schneller längen.
Ändern der Übersetzung
Wer Ritzel, Kettenrad oder einen kompletten Kettenkit wechselt, verwendet normalerweise die serienmäßigen Zähnezahlen, die Sekundärübersetzung bleibt also gleich. Eine Änderung der Zähnezahl bewirkt eine längere oder kürzere Übersetzung zwischen Motor und Hinterrad. Wird beispielsweise statt eines 16er Ritzels am Getriebeausgang ein 15er Pendant verwendet, ist bei gleicher Geschwindigkeit die Motordrehzahl höher - sinnvoll beispielsweise für Enduros, die vorwiegend im Gelände bewegt werden. Eine Umstellung auf ein 17er Ritzel dagegen würde bei gleicher Geschwindigkeit die Drehzahl verringern - gern eingesetzt bei leistungsgesteigerten Sportmaschinen zur Erhöhung der Endgeschwindigkeit oder bei Tourern, um ein niedriges Drehzahlniveau zu bekommen. Umgekehrt verhält es sich beim Kettenrad am Hinterrad. Mehr Zähne erhöhen die Motordrehzahl, weniger verringern sie. Zu beachten ist, daß bei Verwendung von größeren oder kleineren Ritzen oder Kettenblättern oft auch die Kettenlänge geändert werden muß, der Einstellbereich der Kettenspanner kann eine Differenz von höchstens ein oder zwei Zähnen überbrücken.
Wichtiger Hinweis: Eine Änderung der Sekundärübersetzung - die Primärübersetzung spielt sich zwischen Kurbel- und Getriebeeingangswelle ab - ist ohne weiteres nicht erlaubt und auf jeden Fall eintragungspflichtig, da die Übersetzung Bestandteil der Betriebserlaubnis ist. Schließlich hat sie Einfluß auf das Geräuschverhalten und die Endgeschwindigkeit. Wer eine andere Übersetzung eintragen lassen will, sollte das unbedingt vorher mit TÜV oder Dekra absprechen.