Motorradgespann
Ein Motorradgespann ist ein Motorrad mit Seitenwagen, auch Beiwagen oder Boot genannt. Der Seitenwagen wird traditionell seitlich am bestehenden Motorradrahmen angeschraubt, der oft spezielle Verstärkungen benötigt. Vor allem Renn- und Motocross-Gespanne werden jedoch wegen der höheren Festigkeit meist um einen speziellen, einteiligen Gespannrahmen aufgebaut, der Motorrad- und Seitenwagenrahmen ersetzt.
Der Seitenwagen dient dem Personen- oder Warentransport. Er ist seitlich am Motorrad angeordnet, entsprechend dem Verkehrssystem, in dem das Motorradgespann zum Einsatz kommt. Im Rechtsverkehr liegt er an der rechten Seite des Motorrads, bei Linksverkehr auf der linken Seite. Der Seitenwagen ist mit einem außenliegenden Rad ausgestattet, das eine Stütz-, Brems- und in einigen Fällen auch eine Antriebsfunktion übernimmt. Die Antriebsfunktion des Seitenwagenrades dient häufig der besseren Geländegängigkeit (z.B. Wehrmachtsgespann). In jüngster Vergangenheit wurde ein Seitenwagen mit zwei Rädern, deren vorderes gelenkt wird, entwickelt.
Bis in die 1960er Jahre waren Solomaschinen (z.B. BMW) oft ab Werk gespanntauglich, d.h. ein Seitenwagen durfte ohne größere Änderungen am Motorrad angeschraubt werden. Wegen der heute üblichen leistungsstärkeren Motoren und daraus resultierenden Fahrleistungen wird bei modernen Gespannen dagegen häufig das Fahrwerk des Motorrades stark verändert. Die Telegabel, heute bei Solomaschinen fast konkurrenzlose Vorderradführung, wird durch eine geschobene Schwinge oder gar eine Vorderradaufhängung an Querlenkern (Achsschenkellenkung) ersetzt. Durch Autobereifung wird das Gespann im Vergleich zum Solomotorrad tiefergelegt. Die breiten Autoreifen in Kombination mit dem tiefen Schwerpunkt und breiten Beiwagen erlauben bei diesen Sportgespannen hohe Kurvengeschwindigkeiten bei reduzierter Neigung des (rechts montierten) Beiwagens, in Rechtskurven zu steigen. Durch die umfangreichen Umbauten sind diese Gespanne sehr teuer.
Als Sonderbauform wurde seit der Erfindung des Motorrades immer wieder über eine gelenkige Montage des Beiwagens an der Zugmaschine nachgedacht, bei der das Gespannmotorrad wie bei der Solomaschine in Kurvenneigung "schwenkt" oder "neigt". Erste Konstruktionen sind zwischen 1910 und 1930 entstanden. Die ersten so genannten Schwenkergespanne der "Neuzeit" wurden vom Schweizer Gespannbauer Armec um 1980 ausgeführt. Weitere Konstruktionen folgten u.a. von Kalich. Es werden (einfache) Schwenker (zwei Kugelgelenk-Punkte unter dem Motorrad), bei denen nur das Motorrad in Kurvenneigung "schwenkt"; und Parallelschwenker (bei denen über zusätzliche Anlenkungen auch der Beiwagen in Kurvenneigung "schwenkt", gebaut. Bei beiden Bauformen bleibt die Zugmaschine (Fahrwerk etc.), bis auf die montierten Gelenkpunkte im Solozustand.